Westfälische Gespräche

6. Westfälisches Gespräch

6. Westfälisches Gespräch

Rückblick: 6. Westfälisches Gespräch

Im vergangenen Jahr 2011 stellte die FDP-FW-Fraktion für ihr 6. Westfälischen Gespräch eine Frage, die Kommunalpolitiker westfalenweit beschäftigt: Sollen Straßen und Plätze mit vermeintlich historisch problematischen Namensgebern umbenannt werden?

Beispiele wie der Streit um den Hindenburgplatz in Münster finden sich auch in anderen Städten und Gemeinden. Um ein Forum zum regionalen Erfahrungs- und Meinungsaustausch liberaler Kommunalpolitiker anzubieten, griff die FDP-FW-Fraktion beim LWL dieses Thema auf. Das 2011 zum sechsten Mal stattfindende jährliche „Westfälische Gespräch“ stand diesmal unter dem Motto „Gestern hui, heute pfui – historische Persönlichkeiten und ihre öffentliche Würdigung im Wandel der Zeiten“.

Dabei kamen rund 40 liberale Führungskräfte aus den Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten mit den Mitgliedern der FDP-Fraktion der Landschaftsversammlung im Landeshaus Westfalen-Lippe zusammen.
Stephen Paul, liberaler Fraktionsvorsitzender im „Westfalenparlament“, machte schon in der Begrüßung deutlich, was er vom Streit über Hindenburg und anderen Namensgebern hält: „Der in der deutschen Geschichte einzige direkt vom Volk gewählte Präsident ist Ehrenbürger von 3.824 Städten. Er ist deutschlandweit Namensgeber von Straßen, Plätzen, Schiffen, einem Zeppelin, Türmen und Bäumen. Ist es nicht überheblich, wenn heute Aktivisten eifernd daher kommen und solche Namensgebungen aus dem historischen Kontext reißen?“ Historische Persönlichkeiten, die nicht in die Verbrechen der Nationalsozialisten persönlich verwickelt seien, sollen so aus dem kollektiven Bewusstsein getilgt werden.

Fraktionsvorsitzender Stephen Paul rief zu mehr Respekt beim heutigen Umgang mit den Namensgebungen von Straßen und Plätzen durch frühere Generationen von Kommunalpolitikern auf. Wenn einmal der Damm gebrochen sei, werde man als Nächstes fordern, die Schilder mit den Namen beispielsweise der preußischen Heeresreformer Scharnhorst oder Gneisenau abzumontieren. In zwanzig oder dreißig Jahren stünden dann vielleicht Stresemann oder Adenauer auf dem Prüfstand, weil man deren Handeln nicht mehr als rundum politisch korrekt empfindet. „Wir Liberale sollten mit Vernunft und historischem Bewusstsein einer solchen modernen Bilderstürmerei Einhalt gebieten.“ In den allermeisten Fällen seien die Bewohner betroffener Straßen und Plätze auch gegen eine Umbenennung.

Anschließend informierte aus wissenschaftlicher Sicht Privat-Dozent Dr. Rainer Pöppinghege von der Universität Paderborn über das Thema „Politik per Stadtplan – Zur Erinnerungsfunktion von Straßennamen“. Über Straßenumbenennungen in Westfalen-Lippe im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit informierte Dr. Marcus Weidner vom LWL-Intitut für westfälische Regionalgeschichte.
Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion der Landschaftsversammlung, Markus Schiek, betonte, dass Umbenennungen ein anderes Gewicht hätten als Neubenennungen. „Vermutlich würde man heute einen neu gebauten Platz nicht mehr nach Hindenburg benennen, aber ob eine Umbenennung angebracht ist, erscheint mir doch sehr fraglich.“ Darüber hinaus stellte Markus Schiek fest, dass man die Namensgeber aus ihrer Zeit heraus verstehen und einordnen muss.

Einig waren sich die Teilnehmer des Westfälischen Gesprächs nach einem regen Erfahrungs- und Meinungsaustausch: Sollte eine Umbenennung einer Straße oder eines Platzes durch eine nachgewiesene persönliche Verstrickung des Namensgebers in verbrecherische Handlungen tatsächlich erforderlich sein, müsse zuvor eine objektive wissenschaftliche Prüfung der historischen Persönlichkeit und eine Betrachtung ihres gesamten Lebenswerkes stehen.

Beim 7. Westfälischen Gespräch lautete das Thema „Burn out – Modediagnose, Volkskrankheit oder was steckt dahinter?“.



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