Gegen das Vergessen: „Lengericher Gedenkpfad“ eingeweiht

Vor genau 77 Jahren wurden aus der Provinzialheilanstalt Lengerich die ersten sieben psychisch kranken Patienten abtransportiert und nach Zwischenstationen schließlich ermordet. Nach heutigem Kenntnisstand fielen in der Zeit des Nationalsozialismus 440 Menschen aus der Klinik der (euphemistisch bezeichneten) Euthanasie zum Opfer. Im Bereich der Provinz Westfalen waren es fast 6.000 Menschen. Die genauen Opferzahlen für Deutschland sind nur schwer zu schätzen, dürften aber bei über 100.000, eher bei 200.000 liegen.

Nach Jahren des Schweigens hat erst in den 70er und 80er Jahren die Aufarbeitung dieses Verbrechens begonnen. Der LWL hat sich als Rechtsnachfolger des Provinzialverbandes dieses Themas angenommen, sich zu der Verantwortung bekannt und in seinen Kliniken unterschiedliche Formen des Gedenkens gefunden, z. B. die Treise-Kapelle in Warstein.

Jetzt wurde auf dem Gelände der LWL-Klinik Lengerich der „Lengericher Gedenkpfad“ eröffnet. In über zwei Jahren Arbeit hat eine Gruppe interessierter Klinikangehöriger und Bürger daran gearbeitet, dieses Kapitel nicht zu vergessen und den Opfern wieder einen Namen und damit auch ihre Würde zurück zu geben. Für jedes Opfer wurde ein Sandstein mit einer Nummer gefertigt, wobei die Sandsteine im Gedenkweg oder in Stelen oder an Wänden verlegt sind. Am Endpunkt sind alle Namen auf einer großen Tafel verewigt – ein beeindruckendes und bedrückendes Mahnmal für die Würde menschlichen Lebens, gegen staatliche Terrorherrschaft und deshalb auch eine Mahnung für die heutige Zeit. Im Rahmen der würdevollen und nachdenklichen Feierstunde, an der auch FDP-FW-Fraktionsvorsitzender Arne Hermann Stopsack teilnahm, wurden von den Teilnehmern 440 weiße Rosen entlang des Weges niedergelegt.

Denjenigen, die mit ihrem großen Engagement den Gedenkpfad möglich gemacht haben, gilt ein großer Dank.

Ergänzend kann in der Klinik die DGPPN-Wanderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ besichtigt werden. Diese Ausstellung, die 2014 unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Gauck eröffnet wurde, zeigt die Dimension des Verbrechens, dokumentiert den Ablauf und stellt exemplarisch Opfer und Täter dar.



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