Forderung nach Fonds und einer Kontaktstelle für Betroffene von Misshandlungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marsberg

Arne Hermann Stopsack, stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-FW-Fraktion beim LWL.

Münster/Marsberg. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) will die Misshandlung von früheren Patienten in seiner Kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik St. Johannes-Stift Marsberg (Hochsauerlandkreis) in den 1950er, 60er und 70er Jahren wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Dafür hat der LWL-Gesundheitsausschuss in Münster 150.000 Euro bewilligt. Die historische Aufarbeitung soll das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Zusammenarbeit mit dem LWL-Psychiatrieverbund leisten.

Nach Berichterstattung in den Medien (WDR Fernsehen) hatten sich seit März diesen Jahres 26 betroffene ehemalige Patienten (20 Männer, 6 Frauen) des St. Johannes-Stifts gemeldet. Sie berichten glaubwürdig und übereinstimmend von massiven Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Dabei gehe es um unangemessene Ruhigstellung mit Medikamenten, Fixierungen mit fest gezurrten Gurten, Zwangsjacken und „stundenlanges in der Ecke stehen“, Körperverletzungen, „Eisbäder“, Essen von Erbrochenem sowie um sexuelle Übergriffe durch Teile des Klinikpersonals und ältere Jugendliche.

Die Abgeordneten im LWL-Gesundheitsausschuss appellierten einstimmig an die Bundesregierung, wie beim „Fonds Heimerziehung“, einen Fonds für diese ehemaligen Patienten einzurichten. So sollen auch Menschen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie Unrecht erlitten haben, Entschädigungs- bzw. Unterstützungsleistungen zur Milderung der Folgeschäden erhalten.

„Es ist gut und richtig, dass der LWL die dunklen Kapitel der Psychiatriegeschichte nicht ausbelendet, sondern aktiv erforscht und aufarbeitet. Jetzt ist es wichtig, diese Thematik zeitnah anzugehen, damit den ehemaligen Betroffenen geholfen werden kann und ihre Würde wieder hergestellt wird“, so Arne Hermann Stopsack, stellv. gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-FW-Fraktion.

Der LWL hat eine Kontaktstelle für Betroffene eingerichtet:

Telefon: 0251 591-3862 sowie 0251 591-6806
Internet: http://www.lwl.org, „Kontaktstelle Kinder- und Jugendpsychiatrie 1950er bis 1970er Jahre“.



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