NRW Landtagspräsident Kuper besucht mit der FDP-FW-Fraktion das Stalag 326 in Holte-Stukenbrock

Foto (Inderlied, Wahlkreisbüro André Kuper MdL) von links: Oliver Nickel, Alexander Arens, Landtagspräsident André Kuper, Stephen Paul MdL, Arne Hermann Stopsack und Berit Seidel

Es ist ein heute fast vergessenes Kapitel des 2. Weltkriegs: die Kriegsgefangenen. Über 8,6 Mio. Menschen waren in den Jahren von 1939 bis 1945 in deutscher Kriegsgefangenschaft. Dabei sind über 5 Mio. Soldaten der damaligen Sowjetunion die größte Einzelgruppe mit den höchsten Opferzahlen.

In Holte-Stukenbrock gab es ab 1941 eines der größten Lager in Deutschland, das Stalag 326 (VI K). Das Stammlager diente der Internierung sowjetischer Kriegsgefangener, ab 1942 auch der Internierung polnischer, serbischer und französischer Gefangener, ab 1943 auch von Italienern. Die Soldaten hatten Zwangsarbeit im Raum Ostwestfalen-Lippe zu leisten und wurden im Lager für den Ruhrbergbau gemustert.

Foto: (Inderlied, Wahlkreisbüro André Kuper MdL)

Gesicherte Opferzahlen sind nicht bekannt, jedoch geht man von 15.000 bis 70.000 während der Haft verstorbenen Personen aus. Das Lager diente vor allem als Rekrutierungs- und Durchgangslager für mehr als 300.000 sowjetische Kriegsgefangene.

Dieser Teil der Geschichte des 2. Weltkrieges wurde über viele Jahre kaum beachtet, es gab kaum Erinnerungsorte und Forschung fand wenig statt. Erst in den letzten 30 Jahren wenden sich Historiker verstärkt diesem Aspekt zu und an vielen Orten wird versucht, die Erinnerung zu bewahren, Gedenkstätten zu schaffen oder zu erhalten sowie das Wissen zu sammeln, um auch Angehörigen und Nachkommen Auskunft zu geben.

Foto (Inderlied, Wahlkreisbüro André Kuper MdL) von links: Oliver Nickel, Landtagspräsident André Kuper, Arne Hermann Stopsack, Stephen Paul MdL, Berit Seidel und Alexander Arens

Es gibt weit fortgeschrittene Überlegungen, in Holte-Stukenbock eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung zu schaffen, die auch international stark vernetzt sein soll. Bei diesen Planungen ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als großer Träger von Museen in Westfalen intensiv eingebunden. Diese Konzepte werden momentan von den unterschiedlichen Akteuren diskutiert; natürlich sind auch Fragen der Finanzierung und der Trägerschaft zu klären.

Die FDP-FW-Fraktion im LWL hatte sich bereits in einer Sitzung des Arbeitskreises Kultur den Stand der Planungen erläutern lassen. Ergänzend dazu hatte Landtagspräsident André Kuper, der sich persönlich sehr für das Projekt engagiert, die Regionalpolitiker eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Neben dem Fraktionsvorsitzenden Arne Hermann Stopsack (Hemer) nahmen Berit Seidel (Rheda-Wiedenbrück) und Alexander Arens (Geseke) sowie der Landtagsabgeordnete Stephen Paul (Herford) an dem Termin teil.

Als Leiter der Gedenkstätte führte Oliver Nickel durch die beiden noch bestehenden Gebäude, erläuterte die historischen Hintergründe und stellte die aktuelle Arbeit der Gedenkstätte vor. In einem weiteren Schritt ging es dann um die Konzepte, wie zukünftig die Gedenkstätte aussehen könnte, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der pädagogischen Erschließung und digitalen Formaten liegen soll. Kuper betonte, dass gerade in Zeiten des zunehmenden Rechtsextremismus es wichtig sei, diesen Teil der Geschichte nicht zu vergessen und die Vermittlung in den Schulunterricht als außerschulischen Lernort zu integrieren. Den Abschluss des zweistündigen Informations- und Gedankenaustausches bildete ein gemeinsamer Besuch des Ehrenfriedhofs, wo in 36 Massengräbern viele Tausend Tote verscharrt wurden.

„Wir müssen die Erinnerung an die Kriegsgefangenen und ihre Schicksale unbedingt bewahren und dazu eignen sich am besten authentische Orte, wie hier in Holte-Stukenbrock. Das ist eine historische Verpflichtung und dient gerade der Versöhnung mit den östlichen Nachbarn.  Wir als FDP-FW-Fraktion unterstützen das Projekt. Wie es dann von der Trägerstruktur sowie der Finanzierung konkret aussehen wird, muss in den nächsten Wochen und Monaten beraten und entschieden werden“, zog Arne Hermann Stopsack ein Fazit. „So ein großes Projekt kann die kommunale Familie, zu der auch der LWL gehört, nicht alleine stemmen. Da müssen der Bund und das Land sich maßgeblich beteiligen, bei der Investition wie bei den laufenden Kosten, da es sich um ein Projekt von nationaler Bedeutung handelt. Aber da gibt es ja schon positive Signale.“

 



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