LWL-Kulturstiftung fördert 15 Projekte mit rund 1,84 Millionen Euro

Die LWL-Kulturstiftung hat rund 1,84 Millionen Euro Fördermittel an 15 Kulturprojekte in und für Westfalen-Lippe vergeben, darunter an Vorhaben aus dem Ruhrgebiet, dem Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen. Über insgesamt 19 Anträge hatte das Kuratorium der Stiftung beraten.

 

Die 2003 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gegründete LWL-Kulturstiftung hat die Aufgabe, überörtliche oder interdisziplinäre kulturelle Projekte und Kooperationen mit westfälisch-lippischem Bezug zu fördern. Im Fokus stehen dabei beispielsweise Projekte aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Film oder landeskundliche Forschung. Mit ihren Förderungen stärkt die LWL-Kulturstiftung Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe, unterstützt Vernetzung und Kooperationen und schafft kulturelle Mehrwerte in der und für die Region. Aufgrund ihrer fördernden und beratenden Tätigkeit ist die Stiftung zu einer starken Partnerin für Kulturverantwortliche und Kulturschaffende in Westfalen-Lippe geworden. Seit ihrer Gründung hat die LWL-Kulturstiftung 377 Projekte mit rund 35,6 Millionen Euro unterstützt.

Mitglied der FDP-FW-Fraktion Alexander Arens

Für die FDP-FW-Fraktion ist Alexander Arens im Kuratorium der Stiftung vertreten.

 

„Vom Kreis Borken bis zum Kreis Höxter, von Siegen bis Bielefeld sind alle Regionen Westfalen-Lippes in unserem Förderprogramm repräsentiert, um das kulturelle Angebote sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum zu stärken“, so Anneli Hegerfeld-Reckert, Kuratoriumsvorsitzende der LWL-Kulturstiftung.

Auch in dieser Förderrunde unterstützt die LWL-Kulturstiftung wie gewohnt Vorhaben aller künstlerischer Sparten, darunter Ausstellungen, Digitalisierungsprojekte, Veranstaltungsreihen und Netzwerkprojekte in der Region Westfalen-Lippe.

„Wir setzen in unserem Förderprogramm ganz bewusst auf verschiedene kulturelle Bereiche und achten darauf, dass am Ende möglichst für jede und jeden ein interessantes Angebot entsteht – von der Ausstellung bis zum Digitalprojekt. Darin spiegelt sich gleichzeitig auch die bunte und vielseitige Kulturszene Westfalen-Lippes wider“, betont der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der LWL-Kulturstiftung, Dr. Georg Lunemann.

Ausstellungen
Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster erklärt Besucher und Besucherinnen in der geplanten Sonderausstellung „Gene – eine Reise durch das Erbgut“, wie jedes der rund 30.000 menschlichen Gene seine Funktion ausüben kann. Neben der menschlichen Genetik geht es auch um aktuelle Themen wie Grüne Gentechnik und genetisch manipulierte Nutzpflanzen. Die LWL-Kulturstiftung steuert 70.000 Euro für das Vorhaben bei. Die Ausstellung läuft von Juni 2024 bis Januar 2026 im LWL-Museum.

Das Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld widmet sich in der Sonderausstellung „Alle Wege sind offen. Fotografinnen auf Reisen“ weiblicher Reisefotografie von 1920 bis heute und möchte damit auch der Unterrepräsentation künstlerischer Positionen von Frauen in Ausstellungshäusern entgegenwirken. Die LWL-Kulturstiftung unterstützt die Ausstellung mit 43.000 Euro. Zu sehen ist sie von April bis August 2023 in Bielefeld.

Das LWL-Museum Textilwerk in Bocholt (Kreis Borken) hinterfragt in der Sonderausstellung „Schönheitsindustrie – von der Produktion eines Ideals“ die heute gängigen Schönheitsvorstellungen, deren Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert die Ausstellung aufzeigt. Das Publikum wird eingeladen, eigene Vorstellungen zu reflektieren, auch unter Aspekten der Nachhaltigkeit. Die LWL-Kulturstiftung gibt 120.000 Euro als Förderung für die Schau, die von April bis November 2025 im LWL-Museum Textilwerk Bocholt gezeigt wird.

Die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau (Kreis Paderborn) beleuchtet in der Sonderausstellung „Und vergib uns unsere Schuld? Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus“ das Verhältnis von klerikalen Einrichtungen zum NS-Regime. Dabei steht der Gesamtzusammenhang europäischer Geschichte der 1920er bis 1940er Jahre ebenso im Fokus wie die Frage, wie die Kirche heute ihre jeweilige Rolle im sogenannten „Dritten Reich“ bewertet. Die Ausstellung wird ab Mai 2024 in Lichtenau präsentiert. Die LWL-Kulturstiftung fördert das Projekt mit 300.000 Euro.

Das LWL-Museum für Archäologie in Herne informiert in der Sonderausstellung „Archäologie der Moderne“ über seine aktuelle Forschung. Dabei stehen Grabungen aus der Zeitgeschichte und Moderne im Fokus. Zu sehen sind Funde von Orten der Industrialisierung (z.B. vom Industriedenkmal Steinhäuser Hütte in Witten), aber auch des nationalsozialistischen Terrors (z.B. am Erschießungsplatz Langenbachtal bei Warstein). Viele Ausstellungsstücke werden erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert und sind von September 2023 bis August 2024 im Museum in Herne zu sehen. Die LWL-Kulturstiftung unterstützt das Projekt mit 290.000 Euro.

Für die Sonderausstellung „Nudes. Radikal Nackt“ kooperiert das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster mit den Tate Galleries, London. Gemeinsam entsteht eine große Schau, die sich Aktdarstellungen im Verlauf der Kunstgeschichte widmet. Der nackte Körper gilt als eines der ältesten Motive in der Kunst und bietet nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten, die Sicht des Menschen auf sich selbst zu beschreiben. Zwischen November 2023 und März 2024 läuft die Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Die LWL-Kulturstiftung fördert mit einer Summe von 350.000 Euro.

Veranstaltungen
Das Via Nova Kunstfest Corvey (Kreis Höxter) steht im Jahr 2023 unter dem Titel „Eine Lilie unter Disteln“. Die fünfte Ausgabe des Via Nova Kunstfestes beschäftigt sich mit der Gartenbaukunst und der Pflanzensymbolik in Literatur, Musik, Tanz, Theater, Exkursionen und Gesprächen. Es nimmt Bezug auf Quellen zum Klostergarten von Corvey, geht dabei bis zur Klostergründung im Jahr 822 zurück und weitet das Thema bis in die Gegenwart aus. Erstmals findet die Veranstaltungsreihe als durchgängiges Kunstfest vom 25. August bis 3. September 2023 statt. Die Via Nova Kunstfest Corvey gGmbH erhält von der LWL-Kulturstiftung 10.000 Euro.

Der Verein Bemposta e.V. (Kreis Unna) arbeitet mit seinem Netzwerk aus derzeit elf Projektpartner:innen an der Theaterproduktion „Der Jupp muss weg oder die Emscherlandtransformation. Posse mit Musik“. Zur Aufführung kommen soll das gleichnamige Stück, welches Elemente aus Theater, Musik, Zirkus, Multimedia, Tanz und Performance verbindet. Inhaltlich behandelt es den immer noch andauernden Strukturwandel im Ruhrgebiet und fragt nach Identität und Wandel der Region. Die LWL-Kulturstiftung unterstützt das Vorhaben mit 30.000 Euro. Aufführungen an zehn Orten sind ab Sommer 2023 bis ins Jahr 2024 geplant.

Das Kulturbüro der Stadt Herten (Kreis Recklinghausen) veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Initiativen STADT.KUNST Herten und Wasserschloss Reelkirchen e.V. das Kunstprojekt „EAT ART – Buffets am Wasserschloss“. Die Initiativen organisieren an zwei Wasserschlössern in den Kreisen Recklinghausen und Lippe aufwändige Buffets, die von Künstler entworfen und vom Publikum verzehrt werden. Die beiden Buffets begleitet ein überörtliches Veranstaltungsprogramm rund um das Thema Ernährung in Vergangenheit und Zukunft. Die LWL-Kulturstiftung fördert das Projekt mit 35.000 Euro. Besucher können sich auf die Buffets an den Wasserschlössern Herten und Reelkirchen sowie weitere Aktionen zwischen April und September 2023 freuen.

Netzwerk- und Digitalisierungsprojekte

Die beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland haben zusammen mit dem Land NRW die „Koordinationsstelle für Provenienzforschung in NRW“ in Bonn gegründet, deren „Testanwendung zur bildbasierten Suche für die Provenienzforschung“ von der LWL-Kulturstiftung mit 25.000 Euro unterstützt wird. Ziel des Gesamtprojekts ist es, ein Werkzeug für die Provenienzforschung bereit zu stellen, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) geraubte Kunst und Kulturgüter aller Gattungen aufspüren soll. Die angestrebte Anwendung gleicht bildbasiert Daten mit Ausstellungskatalogen aus der Zeit des Nationalsozialismus und anderen Unrechtszusammenhängen ab.

Das Kulturbüro der Stadt Gütersloh führt mit seinen Kooperationspartnern das Projekt „OWL live“ durch. Darin soll eine intelligente Plattform entstehen, die das kulturelle Angebot Ostwestfalen-Lippes übersichtlich und benutzerfreundlich darstellt. Für das Kulturpublikum bündelt sie die Daten in einem Veranstaltungskalender für die Region mit intelligenten Filtermöglichkeiten. Für Kulturschaffende bietet die Plattform die Möglichkeit, auf Einrichtungen und Angebote hinzuweisen. Zudem steht ein Servicebereich bereit, der rund um das Thema Veranstaltungsmanagement informiert. Die LWL-Kulturstiftung gibt 150.000 Euro Fördermittel für das Projekt dazu.

In der Stadt Werther (Kreis Gütersloh) entstand 2021 im Rahmen des Themenjahres „1700 Jahre jüdisches Lebens in Deutschland“ die Installation „fractured legacy“ der Künstlerin Mia Weinberg. Die Kanadierin verarbeitet darin ihre Familiengeschichte: Ihr Vater Kurt Weinberg musste 1939 aus Werther vor den Nationalsozialisten fliehen. Die Installation stellt Fragen nach kultureller Identität und Zugehörigkeit. Nun erhält die Stadt Werther 11.200 Euro Förderung von der LWL-Kulturstiftung, um im Projekt „Filmsequenzen zu Mia Weinbergs Installation ‚fractured legacy'“ Begleitmaterial entstehen zu lassen, das die familiären und regionalgeschichtlichen Hintergründe zum Kunstwerk vermittelt. Die LWL-Kulturstiftung knüpft damit auch an ihren eigenen Förderschwerpunkt zu „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ 2021 an.

Die Universität Siegen entwickelt für das Kunst- und Forschungsprojekt „Wanderspace“ einen beweglichen Kommunikationsraum. Die 8 mal 4 Meter große Skulptur geht in Südwestfalen auf die Reise. Veranstaltungen, Künstler-Residenzen und transdisziplinäre Kooperationen streben die Einbindung der Menschen vor Ort sowie die Vernetzung vieler Kulturakteur und Kulturakteurinnen in Südwestfalen an. Die Skulptur dient ab Sommer 2023 als analoge Begegnungsstätte, ergänzt durch die Website http://www.wanderspace.de als digitale Anlaufstelle. Die LWL-Kulturstiftung unterstützt das REGIONALE-Projekt mit rund 191.000 Euro.

Auftakt des Förderschwerpunkts zum (Post)Kolonialismus

Die LWL-Kulturstiftung ruft nach dem großen Erfolg ihres ersten Förderschwerpunkts „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ein neues Themenjahr aus: Zusammen mit dem LWL will die Stiftung  durch den Förderschwerpunkt „(Post)Kolonialismus“ das Thema nach Westfalen-Lippe holen. Dabei sollen kolonial geprägte Strukturen und Kontinuitäten in der Region aufgedeckt und ihre Spuren im Alltagsleben aufgearbeitet werden. Die Hauptantragsfrist für Vorhaben zur Durchführung im Themenjahr 2024 ist der 28. Februar 2023.

Die ersten beiden Förderprojekte aus diesem Themenbereich können bereits jetzt mit den Vorarbeiten beginnen:

Für die Veranstaltungsreihe „Schatten des Schattens“ kooperiert das Center for Literature auf Burg Hülshoff bei Havixbeck (Kreis Coesfeld) mit der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung und dem Germanistischen Institut der Universität Münster. Gemeinsam setzen sich die Projektpartner:innen künstlerisch und forschend mit dem Zusammenhang von (Post)Kolonialismus und Sprache auseinander. Ein Fokus liegt darauf, wie im Zusammenhang mit Kolonialismus rassistische Ideologien Sprache geprägt haben und prägen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Texten der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff soll zur aktuellen Debatte um Sprache und Dekolonisierung beitragen. Zwischen Oktober 2023 und September 2024 finden Workshops, Performances und weitere Veranstaltungen in der Region statt. Die LWL-Kulturstiftung fördert das Projekt mit 49.000 Euro.

Das LWL-Medienzentrum für Westfalen in Münster lässt unter dem Titel „Westfalia – Koloniale Spuren in Westfalen“ ein sechsteiliges Audio-Feature entstehen, das sich mit den Spuren des Kolonialismus in Westfalen und deren postkolonialen Auswirkungen bis heute beschäftigt. Ausgangspunkt ist die Lebensgeschichte des aus dem Münsterland stammenden Afrika-Kolonisten Heinrich Schulte-Altenroxel, Gründer der Kolonie „Westfalia“ im südafrikanischen Transvaal. Sein autobiografischer Bericht „Ich suchte Land in Afrika“ wird in szenischen Lesungen mit informierenden Elementen kombiniert, die die historische Perspektive mit Gegenwartsbezügen verknüpfen. Die sechs Folgen von zirka 15 Minuten Länge werden ab Sommer 2024 verfügbar sein. Die LWL-Kulturstiftung unterstützt das Vorhaben mit 54.700 Euro.



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