„Die Macht der Regeln!“ im Kloster Dalheim

Historisch fundiert und mit Blick auf aktuelle Debatten zeigt die neue Sonderausstellung „Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle“ im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn) das gesellschaftliche Spannungsfeld der Regeln. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Am 19. Mai wurde die Ausstellung eröffnet, wozu auch Fraktionsvorsitzender Arne Hermann Stopsack und Fraktionsgeschäftsführer Philipp Jäger nach Dalheim gekommen waren.

Regeln prägen das gesellschaftliche Miteinander. Aber wozu gibt es eigentlich Schulpflicht, „Knigge“ oder DIN-Normen – und wer entscheidet, was „sich gehört“? Die Ausstellung in dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dalheim erstreckt sich auf rund 650 Quadratmeter Ausstellungsfläche über drei Räume vom Keller bis unter das Dach.

Regeln begleiten das menschliche Zusammenleben seit seinen Anfängen. Manche gelten universal, manche sind von Land zu Land, von Kultur zu Kultur und von Generation zu Generation verschieden. Manche überdauern Jahrtausende – wie die Zehn Gebote, die Benediktregel oder grundlegende moralische Prinzipien, etwa die Idee einer Goldenen Regel des Handelns. Andere sind flüchtig: Sie verändern sich mit gesellschaftlichen Erwartungen – wie Dress-Codes oder Food-Trends -, oder sie entstehen aus konkreten Ausnahmesituationen und verschwinden wieder wie beispielweise die Regelsetzungen während der Corona-Pandemie, die das Zusammenleben zwischenzeitlich komplett veränderten.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die über 1.500 Jahre alte Ordensregel des heiligen Benedikt – eines der prägenden Regelwerke Europas. In insgesamt acht Abteilungen nähert sich die Schau dem Phänomen Regeln aus unterschiedlichen Perspektiven: Die Schau will zeigen, wie Regeln entstehen, wie sie Orientierung stiften und Verhalten vorgeben, welche Werte ihnen zugrunde liegen – und wo Regeln an ihre Grenzen stoßen. Dabei rücken auch Ausnahmen, Regelbrüche und bewusste Grenzüberschreitungen in den Blick.

So entsteht ein vielschichtiges Bild von Regeln als Ordnungsinstrumenten, die einerseits als gesellschaftliche Vereinbarungen verlässliches Handeln erst ermöglichen, andererseits aber auch als persönliche Einschränkung erlebt werden. Interaktive Elemente – von Straßenkreuzung und Fahrschul-Quiz über kuriose Gesetzesbeispiele bis zur „Strafarbeit“ – nehmen mit in die Welt der Regeln und fordern die Ausstellungsgäste heraus, sich selbst zwischen den Polen Freiheit und Kontrolle zu verorten.

Gezeigt werden rund 170 Exponate aus zehn Jahrhunderten: Historische Objekte, prominente Beispiele und gegenwärtige Bezüge eröffnen Perspektiven auf Regeln als ein Phänomen, das im Alltag nahezu überall präsent ist – aber oft unsichtbar bleibt. Das fast 1.000 Jahre alte Manuskript einer Benediktregel, der Zeremonialstab vom Hof des Königs von Westphalen Jérôme Bonaparte (19. Jahrhundert) oder zwei sogenannte Schandsteine aus dem 16. Jahrhundert – als öffentliche Sanktion für Fehlverhalten vergleichbar mit heutigen „Shitstorms“ – führen der Bedeutung von Regeln und ihrer Einhaltung für eine Gemeinschaft auf die Spur.

Dem gegenüber stehen mit Kandinskys Gemälde „Kreuzform“, der Haschischdose von John Lennon, dem Steuer-Bierdeckel von Friedrich Merz, Wolle vom Klonschaf „Dolly“ oder dem Gelben Trikot von Doping-Sünder Jan Ullrich Objekte, die völlig unterschiedliche Facetten und Folgen des Regelbruchs zum Ausdruck bringen.



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