Architekturwettbewerb zu Stalag-Gedenkstätte

Der erste Preis im Architektenwettbewerb für den Bau einer Gedenkstätte für das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 (VI K) Senne in Schloss Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) ist an das Team Atelier Brückner GmbH, Stuttgart mit Koeber Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart gegangen.

 

Die bisherige Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne, während des Zweiten Weltkriegs das vermutlich größte Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich, soll zu einer Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung weiterentwickelt werden.

 

Dieses Projekt läuft seit 2020. Federführend ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), die Investitionskosten werden zum überwiegenden Teil vom Land NRW und dem Bund getragen; für die zukünftig anfallenden Betriebskosten gibt es eine Vereinbarung aller Beteiligen, auch mit den betroffenen Kommunen.

Foto: Thomas Geppert

In der Vergangenheit war das Projekt, bzw. der Umfang, politisch nicht unumstritten, inzwischen gibt es aber einen breiten Konsens. „Der Beschluss zu der Gedenkstätte ist seinerzeit unter ganz anderen, vor allem anderen finanziellen, Rahmenbedingungen zustande gekommen. Aus heutiger Sicht hätte man sicherlich an vielen Stellen andere Entscheidungen getroffen, aber das Projekt ist schon so weit fortgeschritten, dass Änderungen nicht mehr sinnvoll möglich sind“, so Arne Hermann Stopsack. „Grundsätzlich halten wir das Gedenken an die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg für einen wichtigen Teil der Erinnerungskultur. So waren z. B. die ca. 5,5 Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen die zweitgrößte Opfergruppe des NS-Staates.“

Zwischen 1941 und 1945 war das Stammlager, kurz „Stalag“, mit mehr als 300.000 internierten Menschen zentraler Bestandteil eines Lagersystems für Kriegsgefangene. Das Stalag 326 in Stukenbrock-Senne, einem Ortsteil der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh, diente als Durchgangs- und Verteilungslager für den gesamten „Wehrkreis VI“, der in großen Teilen dem heutigen Nordrhein-Westfalen entspricht.

Die Kriegsgefangenen mussten im Bergbau und der Montanindustrie, in kleineren Betrieben und in der Landwirtschaft Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen starben durch Mangelernährung, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte hygienische Verhältnisse.

Ein Preisgericht hatte über insgesamt 14 Entwürfe für den Neubau des Eingangsgebäudes, die denkmalgerechte Sanierung der drei Bestandsbaracken und eine szenografische Bearbeitung des ehemaligen Lagergeländes aus dem Zweiten Weltkrieg beraten. Alle 14 Arbeiten sind in einer Ausstellung im LWL-Landeshaus in Münster bis zum 3. August zu sehen.

„Unsere Aufgabe ist, die Geschichte des Stammlagers 326 und die Gräueltaten, die dort verübt worden sind, sichtbar zu machen“, so die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Der Architekturwettbewerb habe hierfür einen sehr wichtigen Beitrag geleistet.

„Die Arbeit des ersten Preisträgers zeichnet sich durch den annähernd vollständigen Erhalt des Bestandes auf dem Areal aus“, heißt es in der Begründung der Jury. Die „historische Schicht“ des Lagers werde in die vorhandenen Zeitschichten eingeschrieben und nachvollziehbar gemacht. Der für das Eingangsgebäude gewählte eingeschossige Gebäudetypus mit seiner unprätentiösen Holzfassade, füge sich schlüssig ins Areal und in die Bestandsflächen ein. Materialweise, Farbgebung und Bauweise überzeugten.


Aus insgesamt 330 eingegangenen Bewerbungen, darunter auch 20 internationale Teams aus verschiedenen europäischen Ländern, waren die 14 Teilnehmender ausgewählt worden. Die Teilnahme am Architekturwettbewerb war ausschließlich interdisziplinären Teams aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Szenografie möglich.

Im Preisgericht waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik und Verwaltung, Vertreterinnen und Vertreter des Fördervereins sowie die stimmberechtigten Fach- und Sachpreisrichter und Sachpreisrichterinnen zusammengekommen, um die besten Arbeiten zu würdigen. Prof. Volker Droste, der als Architekt das Preisgericht leitete, zeigte sich erfreut über das Wettbewerbsergebnis und betonte „die gesellschaftliche Notwendigkeit, solche herausragenden Projekte im Rahmen von Architektenwettbewerben zu einem sinnhaften Ergebnis zu bringen“.

Der zweite Preis ging an das Team JSWD Architekten GmbH & Co. KG, Köln. Der dritte Preis ging an das Team um D lnka Scheible Hoffmann Lewald Architekten BDA, Stuttgart.

Alle 14 Arbeiten sind in einer Ausstellung im LWL-Landeshaus in Münster bis zum 3. August zu sehen (geöffnet montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr).



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