Gesundheitspolitiker in der LWL-Klinik Warstein

Die historischen Stätten auf dem Gelände der LWL-Klinik Warstein verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise die Verantwortung des Landschaftsverbandes für die Aufarbeitung und Vermittlung der westfälischen Psychiatriegeschichte. Zwei Orte ragen dabei als kulturelle und historische Gedächtnispunkte besonders heraus: das Psychiatriemuseum und die Treise-Kapelle.
Diese beiden Orte besuchte jetzt der FAK Gesundheit der FDP-FW-Fraktion im LWL im Rahmen der diesjährigen Klausurtagung, zu der AK-Leiter Prof. Dr. Thomas Reinbold die Regionalpolitiker um den Fraktionsvorsitzenden Arne Hermann Stopsack in den Hochsauerlandkreis eingeladen hatte.
Das LWL-Psychiatriemuseum

Das Museum ist ein zentraler Ort der medizin- und regionalgeschichtlichen Dokumentation. Es wurde im April 2005 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der 1905 gegründeten psychiatrischen Heilanstalt eröffnet.
In den Ausstellungsräumen wird die oft ambivalente und komplexe Geschichte der Psychiatrie nicht nur abstrakt, sondern anhand zahlreicher konkreter Objekte aus dem Klinikalltag greifbar gemacht. Die Sammlung spannt den Bogen von den frühen Behandlungsmethoden des 20. Jahrhunderts über die dunklen Kapitel während der NS-Zeit bis hin zu den modernen, patientenorientierten Therapieansätzen der heutigen LWL-Kliniken. Es dient als wichtiger Bildungsort, um Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen und die Entwicklung der institutionellen Pflege kritisch zu reflektieren.
Die Treise-Kapelle und das Euthanasie-Mahnmal

Auf einer Anhöhe des Klinikgeländes, benannt nach dem nahen Bach Treise, befindet sich die historische Treise-Kapelle. Sie entstand in der Bauphase der damaligen Heilanstalt zwischen 1905 und 1911 und fügt sich in die weitläufige, parkähnliche Architektur des Geländes ein.
Ihre heutige Bedeutung geht jedoch weit über die eines historischen Bauwerks hinaus: Die Kapelle dient als offizielle Gedenkstätte für die Euthanasie-Opfer des Zweiten Weltkriegs. Aus den psychiatrischen Anstalten in Westfalen – auch aus Warstein – wurden in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch Patientinnen und Patienten deportiert und ermordet. Das Mahnmal an der Treise-Kapelle hält die Erinnerung an diese Menschen wach und mahnt unmissverständlich an den unantastbaren Wert menschlichen Lebens.
Am Ende fasste Prof. Dr. Thomas Reinbold zusammen: „Beide Orte zusammen machen das Gelände in Warstein zu einem essenziellen Ankerpunkt der Erinnerungskultur und der Geschichte der Psychiatrie sowie deren Architektur. Sie zeigen, wie wichtig es ist, die historischen Brüche der eigenen Institutionen offen zu dokumentieren und als Mahnung für die heutige Gesundheitspolitik zu bewahren.
Ich erinnere mich noch gut an die Eröffnung vor über 20 Jahren und freue mich, dass die Ausstellung immer noch Besucher und Besucherinnen anzieht. Perspektivisch wird man sicherlich das ein oder andere überarbeiten und etwas moderner gestalten müssen.“









